3 May 2023No Comments

Mein Smartphone – ein blinder Fleck

Erst eine Woche ohne Smartphone zeigte: Ich bin süchtig nach meinem Handy, nach dem Dopaminkick und den Mikrounterbrechungen. Und jetzt?

Eine Woche ohne Smartphone

Als ein Journalist im Freundeskreis rumfragte, ob jemand für eine Reportage eine Woche lang aufs Smartphone verzichten würde, war ich sofort dabei. Dass ich oft am Handy war, wenn meine Kinder mir dringend etwas erzählen wollten, nervte mich schon lange. Ich hatte mir auch gerade das Buch «Verbunden» von Anna Miller besorgt. Das Timing schien perfekt und ich überreif.

Im Vorgespräch bemerkte Michael Feller von der Berner Zeitung, ich hätte doch schon eine gute Handy-Hygiene. Seit Jahren schaue ich morgens erst nach einer Stunde Morning Routine erstmals aufs Smartphone. Ich habe längst alle digitalen Geräte aus dem Schlafzimmer verbannt. Trotzdem bin ich durch meine Selbständigkeit viele Stunden allein und habe wenig Austausch. Das Smartphone ist meine Verbindung zur Aussenwelt und oft willkommene Ablenkung, wenn ich mir vorgenommen habe, fokussiert zu arbeiten.

Die Redaktion stellte mir für die Digital-Detox-Woche ein Dumbphone zur Verfügung, damit ich von unterwegs telefonisch und via old-school SMS erreichbar sein konnte. Ich handelte mir aus, dass ich vom Laptop aus, Whatsapp- und Signal-Nachrichten beantworten durfte, da ein Grossteil meiner beruflichen Kommunikation über diese Kanäle auf dem Smartphone läuft.

Fast bereute ich meine Zusage. Völlig irrational ahnte ich Katastrophen voraus: Was wenn mir etwas durch die Lappen ging? Was wenn mich jemand suchte und mich nicht erreichen konnte oder schlimmer, vor verschlossener Türe stand?

Gleichzeitig kamen mir meine Sorgen absurd vor, denn ich würde ja weiterhin erreichbar sein. Einfach nicht ständig.

Ausgebremst

Meine Detox startete an einem Samstag. Ich schrubbte Küche und Bad und mir fiel auf, dass ich es diesmal nicht eilig hatte. Ich ging auch nicht immer wieder zum Regal, wo mein Smartphone üblicherweise liegt und wo ich kurz mit dem Putzhandschuh aufs Display tippe und Nachrichten checke. 

Das Experiment hatte kaum begonnen und schon machte sich ein anderes Zeitgefühl in mir breit.

Mir fiel auf, wie viel entspannter ich war, wenn ich Nachrichten und Mails gebündelt vom Laptop aus beantwortete. Ganz automatisch richteten sich bestimmte Zeitslots ein, während denen ich sozusagen die Korrespondenz erledigte. Wenn ich unterwegs war, gab es ohne Smartphone nichts zu tippseln.

Ich hatte immer gedacht, es sei so effizient, Dinge sofort zu erledigen. Aber – wenn ich dieses Bild von Anna Miller ausleihen darf – das ist so, als würden wir jedes Mal einen Waschgang starten, wenn eine dreckige Socke in den Wäschekorb fällt. Je früher man antwortet, desto schneller kommt auch eine Nachricht zurück, die wieder abgearbeitet werden will. Ein Teufelskreis.

Einfach warten

Am Montag, als ich die Kleine vom Kindergarten abholte, wartete ich zum ersten Mal seit Jahren, ohne mein Smartphone zu zücken. Für einen Augenblick kam wieder Panik auf. Doch dann liess ich meinen Blick über die Baumkronen zum Himmel schweifen, sog die Weite in mir auf. Laut dieser SRF Input Sendung sind solche Pausen für das Gehirn besonders erholsam. Auch wenn ich zu Fuss oder mit der Tram unterwegs war, gab es kein Hintergrundrauschen durch einen Podcast, kein Sprachnachrichten-Abhören. Ich beobachtete und erlebte meine Umwelt. 

Während mein Sohn Hausaufgaben machte, setzte ich mich neben ihn und las in einem Magazin, ohne ständig aufzuspringen, um aufs Smartphone zu schauen. Ich ging im Wald spazieren und hörte das Vogelgezwitscher, weil ich keine Kopfhörer aufhatte. 

Nicht ausgebrannt, nur abgelenkt

Die letzten Monate fühlte ich mich wenig kreativ und fand keine Befriedigung beim Unterrichten – ein Gefühl, das ich in meinen fünfzehn Jahren als Yogalehrerin nie gehabt hatte. Mir schienen die Ideen auszugehen und ich musste mir die Klassen aus den Fingern saugen.

War ich einfach ausgebrannt? Oder war ich mittlerweile zu routiniert, so dass ich mich langweilte? 

Die erste Yogastunde ohne mein Smartphone war eine Offenbarung! Auch meine Yoga-Musik spiele ich via Smartphone-App ab. Seit Apple Music auf Abosystem umgestellt hat, habe ich im Flugmodus keinen Zugang mehr zu meiner Musikbibliothek. Ich schalte deshalb nur auf «Do not disturb.» Das klingt nach keinem grossen Unterschied, aber psychologisch ist er gross: Beschämt muss ich gestehen, dass ich während der Schlussentspannung auch schon Nachrichten gelesen habe.

Vielleicht denkst du: Ist doch kein Drama.

Meine Hauptdroge war nicht im Raum. Ich war nicht abgelenkt und ganz bei der Sache. Wir kennen alle die Befriedigung, die der Flowzustand bringt. Wir sehnen uns danach, vertreiben sie aber paradoxerweise ständig mit unseren Smartphones, mit den unzähligen Entsperrungen und Mikrounterbrechungen. 

Immer mal wieder fasten

Natürlich gab es Momente, wo ich ohne Smartphone auflief. Ich hatte meine Agenda nicht zur Hand, konnte mein Ebanking nicht nutzen und keine Fotos machen. Tram- und Bustickets musste ich am Automaten lösen. Morgens fragte ich meinen Mann, ob er für mich die Wetter-App checken könne. Aber ich wusste, es war nur vorübergehend.

Ich will das Smartphone nicht verteufeln und schätze weiterhin die Abläufe, die es im Alltag erleichtert. Ohne Google-Maps wäre ich oft aufgeschmissen.

Mir war nicht bewusst, wie tief die Gewohnheit von nur mal kurz Nachschauen und doch Hängenbleiben schon eingeschliffen war. 

Ich nehme viel mit aus dieser Digital-Detox, gerade für fokussierteres Arbeiten und fürs Präsentsein im Familienleben. Vielleicht mache ich das jetzt alle paar Monate. 

6 July 2022No Comments

Neuland macht glücklich – vier Lebensweisheiten, an die der Umzug mich erinnert hat

Wir sind umgezogen und angekommen. Bis auf ein paar Lampen und Bilder hat alles seinen Platz gefunden. Manchmal kann ich kaum glauben, dass dieses Licht durchströmte, neue Zuhause für uns ist. Und doch fühlt es sich schon sehr wie Daheim an, jetzt wo es von unseren Sachen besiedelt ist. 

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16 February 2022No Comments

Wie ein Jahr Konsumverzicht an meiner Identität rüttelte

So oft konsumieren wir – egal was – um ein Gefühl von Unzulänglichkeit oder Unzugehörigkeit zu überdecken. Wir erleben einen kurzen Glücksmoment – auch bekannt als Dopamin-Kick – und das Problem scheint zumindest vorübergehend aus der Welt. 

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24 December 2021No Comments

I touch myself. Do you?

Especially for women, but for everybody really, it’s imperative that we check in with our bodies. By the way, with our minds as well. How is that going to happen if we don’t have a way of establishing contact? Whether we do it digitally, visually or by cultivating a regular physical or mindfulness practice, we must enter communication with our body - all parts of it. How else will we notice changes? How else can we become literate in the language of our body and intimate with ourselves?

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5 January 2021No Comments

How to create lasting good habits

New year, new beginnings. We commit to eating better, drinking less, working out more... But how do we keep it up for longer than a few weeks? There are a few key points to establishing healthy habits and replacing bad ones and making sure they last.

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7 December 2020No Comments

Five simple tools to prevent relapse during the pandemic

The pandemic is a catalyzer. Old demons resurface and are magnified. Here's how simple yoga tools can help with getting out of your head and stopping the downward spiral.

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19 September 2020No Comments

Yoga – a lifeline for recovering addicts during the coronavirus pandemic

The news of the pandemic was scary for everyone, and more so for people with a weakened nervous system. Addicts, whether recovering or not, felt the strain of the global uncertainty intensely. Using is a way of self-medicating when addicts can’t cope. It’s hard for them not to reach for their drug of choice when feeling out of control, frightened or threatened. For weeks, many of the life savers normally available to them, remained out of reach.

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11 October 2018No Comments

The nasty email

I believe we've all been on the receiving end of a nasty email before. This is how my last week started, with an abrasive email on Monday morning. I find myself itching to ask: What do you do when this happens to you? Because after all the soul-searching work I have done – from meditation to family constellation, from shamanistic rituals to therapy, from kinesiology to astro readings – these emails get me every time.

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17 August 2018No Comments

What can I give to this? – emotional materialism and its antidote

I had signed up for a vacation

A two week vacation in Lisbon was supposed to be the harmonious conclusion of my maternity leave. But every day I ended up feeling frustrated and disappointed with myself. I might have underestimated the challenges of a city trip with two children. No, I definitely did underestimate the challenges of traveling with two children with a different set of priorities (three and a half year old boy and four-months-old baby). Most days I ended up being impatient and irritable with my older child.

A city trip of course involves a lot of dirt. Not that beaches or mountains are always clean, but cities tend to come with their extra-layer of muck. Switzerland is such a clean country that my son is not aware that he can't touch everything with his hands. I'm usually not the type of mother who obsessively disinfects her children's hands. But it also happened that baby girl caught conjunctivitis. So here I was, constantly fretting about dirt and bacteria.

But let's face it, the dirt was not the real problem. I was generally stressed out due to the new environment. I missed the stability of home, knowing how things work and where to buy what and – hello! - speaking the language. My son is at that age when it's hard to sit still. He wants to take in the world. How can I blame him for wanting to watch fire trucks go by and slowing down whoever is walking behind him? But I often do.

It bugged me that I wasn't able to react in a more calm and grounded way. I'm not a naturally patient person. But thanks to my yoga practice, I manage. The occasions when I lose it are not that common. Especially with my children. But on said vacation I ended up scolding my son every day. And so every night, I felt disappointed with myself.


Using relationships for gratification

On the flight home, I came across this passage in Ethan Nichtern's The Road Home (which I highly recommend, by the way): “(...), our habit of materialism has also affected our interaction with other people. Without paying attention, we have objectified so many of our human relationships. Unknowingly, we use others as merely the vessel of our own gratification.”

That stopped me in my tracks. For two weeks my son's behavior had been inconveniencing me. It was not what I had signed up for. I had expected a relaxing time with my family. But then I found myself in a situation that required me to be patient, understanding and calm. It required me to give when I wanted to receive. Still I was stubborn in my need to consume. I wanted my child to afford me some quiet time. I wanted him to sit still and not touch the dirty metro seat. I wanted him to shut up and eat his foreign tasting sausage.

What can I give to this?

“When it comes to relationships, try to ask, what can I give to this, instead of, what can I get out of this?” This is something a yoga teacher of mine once said. I often think of myself as someone who gladly puts her children first. But like anyone else, I seek gratification. It's not only what society ingrained in us, it's the way our mind works. It's geared to ensure survival. So it craves what it needs or wants and rejects what is troublesome.

This is where motherhood (and fatherhood) is such good therapy. There is no way that you can put your own needs before those of your children. Most of the time they come first. These are the years for sacrifice, which sounds bleak, but it's not. When it can no longer be about me, myself and I, it's quite simply not about you any more. Your problems recede into the distance, and magically, they are no longer a problem. If you can see it that way, it's liberating.

A friend of mine once said: “With one child, we could still control the chaos. With two, we can only embrace it.” Wanting to have your own wishes granted, is an attempt to regain control. It happens to me on the daily, when I pull all the stops to ensure an early bed time for the kids, so I can squeeze in half an hour of writing or a few yin poses I go to sleep myself. I race to have dinner ready, to put them in their pjs and get the bed time story over with. But when I decide to surrender to the fact that they will have their way (and I will not), I am so much more relaxed. Everybody ends up so much happier.

How much easier would our life be if we put up less resistance to what is? If we could shift our perspective from thinking about what we can get to what we can give, we would be okay with not getting what we want. How gratifying would our relationships be if we could just surrender to what they are instead of trying to get something out of them?

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